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| © Pfarrer Oliver Vorwald |
(Ein Tipp, verfasst von Imke Schwarz, Pastorin in Hittfeld)
Seine Form verhindert, dass er frei stehen kann. Der Altar in der Klosterstätte Ihlow ist ein Block aus geleimtem Buchenholz, unten zugespitzt wie ein Kreisel. Er neigt sich zur Seite, wenn man ihm seine Stütze nimmt: Einen keilförmigen Stein, gegossen aus Bronze. Der Bremer Künstler Gunter Gerlach hat in dem im März 2009 geweihten Altar eine Verbindung von zeitgenössischer und mittelalterlicher Kunst geschaffen:
Der große Altarkorpus aus geleimtem Buchenholz ist ein junges Werk des Bildhauers. Sein Stützstein ist ein nachgebildetes Fragment einer Altarplatte, die in der abgebrochenen Klosterkirche Ihlow stand – zu erkennen am eingravierten Weihekreuz. Beide Teile des Altars stehen als Torsi für die Vergänglichkeit menschlicher Werke und zugleich bilden sie gemeinsam den „Tisch des Herrn“ und vergegenwärtigen die Präsenz des ewigen Gottes in irdischen Formen. Verschiedene geschichtliche Epochen gehen eine Verbindung ein, stützen sich, bauen aufeinander auf. Die Tradition der Zisterzienser, im Kloster Ihlow Jahrhunderte lang lebendig, wirkt weiter in den Andachten und Gebeten, die heute um den Altar gehalten und gesprochen werden.
Der Altar steht im so genannten „Raum der Spurensuche“ der Klosterstätte Ihlow. Das ostfriesische Kloster bestand vermutlich vom Beginn des 13. bis ins frühe 16. Jahrhundert. Es besaß die größte Kirche zwischen Bremen und Groningen und wurde nach der Reformation aufgelöst, die Gebäude abgebrochen. Die im Mai 2009 eingeweihte Klosterstätte will die großen kulturellen Leistungen des Klosters wieder in Erinnerung bringen und neue spirituelle Räume auf dem Fundament der alten, aus Glauben erbauten Mauern schaffen. Im „Raum der Spurensuche“, anderthalb Meter unter dem ursprünglichen Fliesenfußboden der Kirche, kann der Besucher zunächst die freigelegten Fundamente besichtigen. Aber auch einige besondere Fundstücke sind zu sehen, so eine etwa vier Zentimeter große Christophorus-Statuette aus einem der Gräber im Kircheninneren.
Der Gang durch den Raum der Spurensuche endet am Altar und am blauen Lichtkreuz, welches an der kahlen Betonwand angebracht ist – nur durch die Geschichte gelangt der Besucher zur Ewigkeit.
Aus der Tiefe geht es dann übrigens wieder hoch hinauf: Die Klosterkirche wurde in Teilen durch eine rund 45 Meter hohe Konstruktion aus Stahl und Holz nachgebildet. Auf einer Aussichtsplattform lässt sich das „Streben zum Himmel“ der damaligen Baumeister nachempfinden.
Weitere Informationen zur Klosterstätte Ihlow finden Sie unter www.kloster-ihlow.de oder www.ihlow.de
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| © Pfarrer Oliver Vorwald |