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| Kanzelkorb in der Klosterkirche. ©: Klosterkirche St. Johannes der Täufer. Gunther Schendel |
Hermann Buß’ Kanzelbilder in der Klosterkirche.
(Ein Tipp verfasst von: Dr. Michelle Grund, Uelzen. Kunsthistorikerin)
Für Kunstfreunde lohnt sich seit anderthalb Jahren der Besuch des Uelzener Ortsteils Oldenstadt: Im Dezember 2006 bereicherte der ostfriesische Maler Hermann Buß den Kanzelkorb der romanischen Klosterkirche St. Johannes der Täufer um fünf Gemälde.
Bekannt wurde Buß durch kritisch-realistische Altarbilder, wie z. B. das „Gestrandete Schiff“ in der Langeooger Inselkirche von 1990, mit dem er es verstand, den Betrachter mittels zeitgemäßer christlicher Metaphorik zum Nachdenken zu bewegen.
So auch beim Oldenstädter Werk:
Im Zentralbild dargestellt sind drei Männer und eine Frau mit dunkler Hautfarbe unter einem bewegten Himmel, die gestrandet zu sein scheinen. Hinter ihnen ist eine Gruppe von Menschen zu sehen, die auf sie zugehen und sie anstarren, während eine andere Gruppe rechts im Hintergrund sich von ihnen entfernt. Die Figuren im Vordergrund erinnern an die zahlreichen Flüchtlinge, die aus Afrika kommend, an den europäischen Mittelmeerstränden „angespült“ werden. Hermann Buß nennt sie die „Gekreuzigten unserer Zeit. Heimatlose, Getriebene, Scheiternde - wie das Vorbild.“ Der Künstler übertrug also das traditionelle Christusmotiv - der Heiland als Leidender - in die Gegenwart. Das Kreuz selbst ist auch in das Bild integriert, es erscheint als Reifenspur im Sand. Bei den zwei mittleren Szenen handelt es sich zum einen um den Klein Liederner Bach, der durch Oldenstadt fließt und den Buß den "sicher ältesten Zeugen der Geschichte dieser Stätte" nennt, zum anderen um den Ausschnitt eines Grabsteins auf dem Kirchengelände, auf dem ein Schmetterling an die Auferstehung erinnert. Die roten Beeren links neben dem Stein stehen für das Leben. Beide Motive wählte der Künstler, um einen Bezug zur Umgebung zu schaffen und auch, um die Gegensätze Kultur und Natur zu betonen.
Die beiden Außenbilder zeigen einen Mann und eine Frau der Gegenwart. Ihre Gesichter sind nicht zu sehen, es könnte sich um jedermann handeln. Auch hier ist das Kreuz dargestellt: einmal als senkrechter Balken im rechten und waagerechter im linken Bild. Die Balken fungieren als Stützen und Begleiter der Figuren und besagen laut Buß: „Es „gutes“ Leben ist nicht unbedingt ein „leichtes" Leben. Die Figuren stehen aber auch für Demut und Innehalten und können als „moderne Evangelisten“ gedeutet werden. Damit nehmen diese Bilder auf ihre Weise das Thema der alten Evangelistenmotive auf.
Wichtig war Buß, dass das Werk mit dem Innenraum der Kirche, insbesondere mit den bunten Glasfenstern, harmoniert, weshalb er reduzierte Motive und gedeckte Farben wählte.
Die Kirche ist sonntags ab 10:00 Uhr oder nach Absprache geöffnet.
Kontakt über das Pfarramt:
Klosterkirche St. Johannis der Täufer, Oldenstadt
Klosterstr. 10
29525 Uelzen
Tel.: 0581 42230
Weitere Infos:
Mehr zur Auftragsarbeit in der Klosterkirche.
Vortrag Bilderwelten des Malers Hermann Buß. Dr. theol. D. Diedrichs-Gottschalk.
Mehr zur Klosterkirche Oldenstadt.
Mehr zur Stadt Uelzen.
Abgesehen von den Buß-Bildern lohnt sich für Kunstfreunde auch ein Besuch im weltweit einzigen Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen sowie ein Gang durch die Innenstadt, wo man seit Ende Mai einen Weg mit 21 Steinen der schwedischen Künstlerin Dagmar Glemme besichtigen kann.
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| 5-Einzelansichten des Kanzelkorbs.©: M. Uphoff |