Eine szenische Umsetzung der Legende "Rahel rechtet mit Gott" bieten die Künstlerinnen Ellen Maria Kienhorst und Katinka Zechner. Die 60-minütige Performance verleiht Rahel, der Urmutter des Alten Testaments, in Musik, Tanz und Sprache einen künstlerischen Ausdruck.
Ausführende:
Musik: Ellen Maria Kienhorst (Violoncello)
Sprache: Ellen Maria Kienhorst, Katinka Zechnier
Schauspiel/Tanz: Katinka Zechner
Der Verzicht auf jegliche Requisiten und Theater-Beleuchtung ist Stilmittel. Die Performance dauert 60 Minuten.
Kienhorst improvisiert
weitestgehend frei, verwendt
Elemente synagogaler Musik
und des chassidischen Tanzes,
lässt ihr Cello klagen,
zürnen und singen. Zechner
verkörpert mit packendem
Ausdruck den Zorn, den
Schmerz, das Begehren, die
Auflehnung und die Ergebung
Rahels. Die Künstlerinnen
füllen den Kirchenraum mit
Spannung, Dichte und Präsenz.
Für die Zuschauer wird
der dramatische Sturm existenzieller
Gefühle spürbar,
der Rahel schüttelt.
Ungewöhnlich lang dauernder
Applaus zeugt von dem
anhaltenden Eindruck der
Aufführung.
EZ Nr. 15, 16.4.2006
Die graziöse Katinka Zechner
tanzt die Rahel, verkörpert
ihre Gefühle eindrucksvoll
und Ellen Kienhorst
trägt die Emotionen mit ihrem
Cello kraftvoll ans Ohr.
Es fasziniert das Wechselspiel
der Stimmen, zeitversetzt
kanonisiert, überblendet
und lässt die Erhabeheit
der Gefühle spüren.
Beiden Künstlerinnen gelingt
durch ihre ausdrucksvoll
starke und glaubhafte
Inszenierung, durch ihre Reduziertheit
ihrer Formensprache
die archaische Gefühlswelt
der Rahel darzustellen.
Durch diese Form der Dramaturgie
entsteht eine Eindringlichkeit,
die uns in die
alttestamentarische Welt entführt,
in der Gott gegenwärtig
ist und in der Zwiesprache
mit ihm möglich ist – ein
brillanter Abend.
Dieser Text von Stefan Zweig wurde erstmals 1927 publiziert und zählt zu den Legenden, die in der Zeit von 1917 – 1937 erschienen sind. Sie entstanden aus der Erschütterung über den ersten Weltkrieg und aus dem Schmerz über das Exil und dessen Ursachen zu dem sich der jüdische Dichter gezwungen sah.
Eine Frau - nein, die Frau und Urmutter des Alten Testamentes, Rahel, begibt sich in Konfrontation mit Gott.
Der Dichter verschafft ihr in seiner Legende einen kraftvollen Auftritt – denn ihr allein gelingt es, den zornigen Gott von der Zerstörung der Welt abzubringen. Gewiss, Rahel erbittet die Schonung ihrer Stadt und Kinder; aber es geht auch um die ganz vitale Frage ihres Festhaltens an Gott, ihres Glaubens. Sie möchte dieses Wesen, das ihr geholfen hat die schwerste Prüfung ihres Lebens zu überstehen, nicht mit menschlich-irdischen Eigenschaften und Trieben ausgestattet sehen.
In diesem Sinne fordert sie Gott heraus: Er soll zeigen, dass er den Namen des "Allerbarmers" zu Recht trägt.
Im Verlauf ihrer Auseinandersetzung lässt Stefan Zweig uns zu Zeugen einer Liebes- und Leidensgeschichte von archaischer Wucht werden; mit einer Sprache, die in ihrer Intensität und Bildhaftigkeit zutiefst fesselt und berührt.
Unsere szenische Arbeit greift den Ton dieser Sprache auf. Im Prozess der Verarbeitens und Anverwandelns führt die im Text vermittelte Leiderfahrung hin zur Kunstdarstellung: Musik, die den Schrei in Klang – Tanz, der die Angst in Hoffnung verwandelt. Das Zusammenspiel der Künste als Spurensuche und zugleich als Wagnis einer Aus- und Weiterdeutung über Raum und Zeit.
"... denn Rahels Grab ist längst Musik geworden." (Nelly Sachs)
Kontakt:
Ellen Maria Kienhorst
Domäne Eggersen 2
31020 Salzhemmendorf
Tel.: 05153 - 964631
E-Mail: ellen@kienhorst.de